Die Geschichte

Die Entstehung der Rasse im Heimatland Japan

Die Tradition der Hundekämpfe in Japan reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Damals standen Kampfhunde aber ausschließlich im Besitz von Samurai-Familien. Erst seit 1850 können auch Leute aus anderen Gesellschaftsschichten, vornehmlich reiche Bürger, diese Hunde besitzen und Kämpfe organisieren.

Die Ursprungsgebiete der Kampfhundezucht sind das Akita-Gebiet im Norden und im Tosa-Bezirk von der Insel Shikoku im Süden des Landes. Als Ausgangsrasse wird der Shikoku-Inu angenommen.

Als 1854 die “Togugawa-Zeit” zu Ende ging, hob die neue, erstmals nicht von einem Shogun geführte Regierung die Isolationspolitik Japans auf. Einer der ersten Ausländer die nach Japan kamen, war Commander Perry, ein britischer Marinecommandeur, der versuchte mit den Japanern Handelsverbindungen aufzubauen. Natürlich hatten die Briten auch Hunde dabei. Unter anderem den Britisch Bulldog und den Old English Mastiff zur Bewachung der Schiffe.

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Tosa mit Robe wie ein Sumoringer

Die Japaner waren besonders von der Größe, Kraft und Ausdauer der molossoiden Hunde begeistert. Die nordischen Hundeschläge vom Typ des Akita oder des Shikoku-Inu waren den westlichen Hunden weit unterlegen. Also kreuzten die Japaner ihre einheimischen Hunde mit den ausländischen Doggen.

Um die Vorzüge für ihren Bedarf weiter zu verfeinern, kamen unterschiedliche Rassen zum Einsatz. Es wird angenommen das 1872 der British Bulldog eingekreuzt wurde, 1874 der Old English Mastiff, 1876 der englische Pointer, und 1924 die Deutsche Dogge. Es tauchen auch bei der Entstehung des Tosa Hunderassen, wie der Berhardiner, der Bullterier, deutscher Jagdhund und der Bloodhound auf. So entstand eine neue molossoide Rasse, die ihren Namen nach dem Ort erhielt, wo sie erschaffen wurden – Tosa.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Hunde an die Front gebracht. um die japanischen Soldaten mit Kampfgeist zu erfüllen. Nach dem Krieg wurde der Tosa-Inu von der Japanischen Mafia, der “Yakuza”, adoptiert, die bewusst die Rasse mit der Tradition der Samurai verbindet. Der Zweite Weltkrieg bedeutete jedoch schon kurze Zeit später beinahe das Ende für den Tosa. Mit lediglich ca.10 übrig gebliebenen Hunden begann man in den folgenden Jahren den Tosa neu zu beleben. Ab 1960 wurde zur Blutverbesserung als letzte Rasse die Bordeaux-Dogge eingekreuzt. Die Hunde kamen aus Deutschland von der langjährigen Bordeaux-Doggen Züchterin im Club für Molosser, Maria Pufahl. Frau Pufahl berichtet im Molosser Magazin Heft 3/1985 über einen regen Briefwechsel in den sechziger Jahren mit einem Japaner, der sich ganz besonders für die Bordeaux-Dogge und ihre Kampfkraft interessierte. Da die Qualitäten der Bordeaux-Dogge offensichtlich den Vorstellungen entsprachen, entschloss man sich in Japan, mehrere Welpen und einen in jeder Beziehung hervorragenden erwachsenen Rüden zu importieren. Der Preis spielte keine Rolle. Man wollte zunächst einige reine Bordeaux-Doggen-Würfe züchten, um dann die geeignensten Exemplare aus diesen Würfen für die Verbesserung der nachlassenden Qualitäten beim Tosa zu verwenden. Man importierte fünf Welpen: Die Rüden Orloff des Coquerie, Opel de Fenelon, sowie die Hündinnen Ova de Fenelon, Offie de la Maison des Arbes und Pinup des Demons Noirs. Im zweiten Halbjahr 1966 gelang es den Japanern, den einmaligen Rüden Mowgli de la Maison des Arbres noch zu erwerben. Nach Mowgli fielen Würfe aus allen drei oben genannten Hündinnen. Die beiden Rüden Orloff und Opel wurden als völlig zuchtuntauglich erklärt, doch keine Gründe angegeben.

Einmal erschaffen, machte der Tosa alle anderen japanischen Kampfhunde, insbesondere den Akita-Inu, als Kämpfer altmodisch. Heute ist der Tosa-Inu als der japanische Kampfhund bekannt.

Neben seiner Funktion als Kampfhund wird der Tosa-Inu in Japan mit großem Erfolg als Wachhund eingesetzt.

Abschließend noch ein paar Worte zum Tosa-Ringkampf.

Im vorletzten Jahrhundert sollte damit den Samuraikriegern gezeigt werden, was Ausdauer, Tapferkeit und Kampfgeist bedeuten. Außerdem war es auf den langen Feldzügen der Samurai eine willkommene Abwechselung.

Die ungeteilte Loyalität und Treue des Tosa seinem Herrn gegenüber war natürlich auch ein glänzendes Beispiel für die Ergebenheit zwischen Krieger und Feldherrn.

Heute steht dieses Spektakel in Japan am Rande der Illegalität. Oft sind das Banden der Yakuza der japanischen Mafia, die als direkte Nachfahren der Samurai mit ähnlichen Ehrenkodi wie ihre Ahnen aus vergangenen Zeiten, diese Kämpfe am Leben erhalten. Organisiert in etlichen Tosaclubs, befassen sich aber auch Rechtsanwälte, Doktoren und Manager großer Unternehmen mit diesem “Sport”.

Der Hunderingkampf läuft völlig unblutig ab. Kommt es doch einmal zu Verletzungen, wird der Kampf sofort abgebrochen. Sobald ein Hund in den Ernstkampf geht, wird abgebrochen. Die Hunde müssen vollkommen lautlos, ohne Bellen oder Winseln den Ringkampf führen. Grundsätzlich wird nach Zeit gekämpft, dabei das Ziel jedes Hundes sein muss, seinen Gegner so schnell wie möglich an der losen Haut zu fassen und zu Boden zu werfen, und dann so lange es geht am Boden zu halten, aber nicht zu verletzen oder gar zu töten. Wenn ein Hund die Lust daran verliert und den Kampf unterbricht, sich mehr als drei Schritte vom Gegner entfernt, oder bellt, ist der Kampf für diesen Hund als verloren zu betrachten. Versucht ein Hund dem anderen aufzureiten, wird mit Unentschieden bewertet. Der Hund der am nahesten an das 30 Minuten Limit geht, hat gewonnen. Üblicherweise ist alles bereits nach wenigen Minuten zu Ende.

Für einen erfolgreichen Tosa sind Disziplin, Tapferkeit, Schnelligkeit und Kraft unverzichtbare Attribute. Aggressivität ist höchst unerwünscht. Ausschließlich Rüden werden für den Ringkampf eingesetzt. Die Hunde leben wie Sumoringer in Trainingslagern und trainieren täglich. Zum Beispiel müssen sie 10 Meilen täglich laufen, was für einen molossoiden Hund dieser Größe durchaus beachtlich ist. Zwei bis dreimal pro Jahr wird der Rüde bei einem Turnier eingesetzt. Dabei tragen die Hunde die gleichen Roben wie Sumoringer. Bis zu 30.000$ kostet so ein Ornat. Auch die Titel, die die Hunde erreichen können kommen aus dem Sumosport. Der beste Kämpfer heißt “Yokozuna”, ins Deutsche mit “Meisterringer” übersetzt, wobei es aber noch einige höhere Ränge gibt, die ein Hund nur einmal in seinem Leben erringen kann.

Es sei hier noch mal gesagt, das wir uns ausdrücklich von Hundekämpfen jeglicher Art, auch von den Ringkämpfen des Tosa, distanzieren. Vielmehr versuchen wir für diese großartige Hunderasse bessere Aufgaben zu finden.